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Die deutsche Glasindustrie
Entwicklung der Glasherstellung - vom Handwerk zur Industrie
Mit dem Ende der römischen Kaiserzeit geriet die Technik
des Glasmachens" in Vergessenheit und kehrte erst
um 1200 mit den Kreuzzügen nach Europa zurück. Um
1900 kamen dann die ersten Automaten zur Herstellung von Flaschen
zusammen mit neuen Schmelzwannen auf, die nun eine Massenfertigung
erlaubten. Von da an begann der Siegeszug von Glas als Verpackungsmaterial.
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Zur Herstellung von Glas sind Temperaturen
von bis zu 1600 °C erforderlich, bei der die Ausgangsstoffe
(Kalk, Sand, Soda) geschmolzen werden. Deshalb war die
Nähe von Wäldern, deren Bäume als Energielieferant
benötigt wurden, im Mittelalter ausschlaggebend.
Besonders wenn der Energieverbrauch der damals üblichen
Thephilus-Öfen, die auf den Benediktermönch
Theophilus zurückgingen, betrachtet wird.
Auch heute noch befinden sich viele
Standorte der Glas produzierenden Industrie in der Nähe
der mittelalterlichen Waldgebiete wie z.B. den bayerischen
Wald.
Bei 40 kg Schmelzleistung des eben genannten Ofens pro
Tag, drei Schmelzen wöchentlich und einer durchschnittlichen
Arbeitszeit von 10 bis 12 Stunden, konnte ein Hüttenmeister
zusammen mit zwei bis drei Glasmachern eine Fertigungsgeschwindigkeit
von bis zu fünf Flaschen pro Person je Stunde erreichen.
Behälter aus Glas waren also weit davon entfernt
ein Massenprodukt zu sein. |
Erst mit der Installation des von Friedrich
Siemens erfundenen regenerativ beheizten Wannenofen in Dresden,
gelang der technologisch entscheidende Durchbruch. Am 1. Oktober
1867 wurde dann der Ofen von einem intermittierenden auf einen
kontinuierlichen Betrieb umgestellt.
Dieser Ofen hatte gegenüber der alten Schmelztechnik
zwei bedeutende Vorteile. Durch die laufende Feuerung ohne
das ständige Unterbrechen für das Heiß- und
Kaltschüren ergab sich eine drastische Einsparung an
Brennmaterial, zusätzlich wurde ein kontinuierlicher
Glasstrom geliefert.
Drei der zwischen 1856 und 1867 von den Gebrüdern
Siemens getätigten Erfindungen, sind auch für die
modernen Wannenöfen, in denen heute Glas geschmolzen
wird, wichtig. Hierzu gehören das Regenerativsystem (Rückgewinnung
von Abgaswärme zum Vorheizen der Verbrennungsluft), die
indirekte Beheizung mit vergaster Kohle und die Glasschmelzwanne
als Schmelzgefäß.
Heute werden die Glasschmelzöfen allerdings
mit Erdgas oder Heizöl befeuert, als Zusatzheizung werden
auch elektrisch betriebene Vorrichtungen genutzt.
Neben der Entwicklung der Schmelzöfen trug
auch die maschinelle Evolution, die nach und nach in der Glasindustrie
griff, zur Automatisierung bei. 1847 ließ Joseph Magoun
eiserne Formen patentieren, Howard M. Ashley entwickelte in
Pittsburgh 1886 bis 1889 eine erste Blasmaschine, die Flaschen
in zwei Schritten formte.
Auch in Deutschland gab es um die Jahrhundertwende
eine Reihe von Entwicklungen für Flaschenblasmaschinen,
die ähnlich wie die Ashley-Maschine in zwei Schritten
arbeiteten. Hierbei geschah die Zuführung des Glases
sowie die Entnahme der Flaschen allerdings noch von Hand,
da das Zuführen des geschmolzenen Glases zu der Maschine
eine besondere Schwierigkeit bildete.
Versuche das Glas direkt aus dem Ofen in die
Maschine laufen zu lassen, scheiterten da sich der dabei entstehende
Glasstrang aufringelte und dadurch eine ungleichmäßige
Temperaturverteilung mit Einschlüssen hatte. Der entscheidende
Durchbruch gelang erst durch die Erfindung des Tropfenspeisers
durch Karl E. Pfeiler im Jahre 1911, der dann als Hartford
P-N feeder in Serie ging. Hierbei fließt das Glas nicht
in einem geschlossenen Strahl aus der Öffnung, sondern
wird durch periodisches Abschneiden zusammen mit einer geeigneten
Ausbildung der Arbeitsöffnung so dimensioniert, daß
Glastopfen entstehen, die dann in die Maschine weitergeleitet
werden können.
Mit dieser Technik war es möglich Flaschen
mit gleichmäßigeren Wänden herzustellen als
es bei einer manuellen Entnahme des Glases oder durch ansaugen
aus der Wanne wie bei der 1898 von Michael J. Owens entwickelten
Maschine der Fall war.
Beginnend mit der ersten Installation von Owens-Maschinen
1908 in Sinzig am Rhein, bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges
bewirkte diese neue Maschine eine radikale Veränderung
in der Glasindustrie. Jetzt konnten Flaschen billig, maßgenau
und in großer Menge hergestellt werden.
Zur Herstellung von Flaschen waren jetzt nicht
mehr geschickte Handwerker gefragt, sondern es wurden nur
noch Maschinenarbeiter benötigt. Deshalb befürchteten
die Gewerkschaften Arbeitslosigkeit und riefen zum Boykott
von Betrieben mit Owens-Maschinen auf.
Diese Furcht war jedoch unbegründet, da
aufgrund der stark wachsenden Nachfrage nach Glasbehältern
die Belegschaft der flaschenerzeugenden Betriebe stetig wuchs.
Um 1923 entwickelte der Belgier Emile Roirant
mit seiner Roirant-B-Maschine den ersten europäischen
Automaten zum Flaschenblasen, der wie die Owens-Maschine nach
dem Saugblasprinzip arbeitete.
Bis 1955 wurden über 500 dieser Maschinen
verkauft. Sie waren ein wichtiger Schritt beim Übergang
von der Hand- zur Maschinenfertigung, da sie auf der vorhandenen
Arbeitsbühne aufgestellt werden konnten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg setzten sich dann zur Flaschenfertigung
durch den vorher erwähnten Tropfenspeiser beschickte
Maschinen durch.
Am verbreitetsten sind die sogenannten IS-Maschinen, wobei
die Abkürzung IS für Individual Section steht. Die
Maschine besteht aus mehreren, in sich vollständig funktionsfähigen
Stationen, in denen die Behälter geformt werden. Auf
diesen Maschinen werden, mit nur kleinen Modifikationen, auch
heute noch Flaschen gefertigt.
Bis 1970 wurden alle Bewegungen der IS-Maschine
pneumatisch mit mechanischer Steuerung ausgelöst. Heute
erfolgen diese Bewegungen hydraulisch durch elektronische
Steuerung. Als weitere Neuerung hat das Enghals-Pressblasverfahren
den Blas-Blas-Prozessbei IS-Maschinen abgelöst. Die Flaschen
werden jetzt nicht mehr nur durch Pressluft geformt, sondern
mittels eines Stabs (Plunger) in der Vorform vorgeformt und
dann ausgeblasen. Dies stellt das Ende der Entwicklung im
Moment dar.
So bestand schon im letzten Jahrhundert
die Möglichkeit, alle schwierigen Arbeitsgänge in
der Glasherstellung mit Hilfe von Maschinen durchzuführen.
Hierzu, um die maschinelle Entwicklung noch genau darstellen
zu können, die wichtigsten Daten im folgenden:
|
Jahr
|
Entwicklung |
| 1847 |
Eiserne Formen
zur Behälterproduktion |
|
1867 |
Wannenofen mit kontinuierlicher
Schmelze
|
| 1886 - 1889 |
Erste Blasmaschine
|
|
1898 |
Owens Blasmaschine
|
| 1911 |
P-N Feeder; Tropfenspeiser
|
|
1923 |
Roirant-B-Maschine
|
| 1925 |
IS-Maschine |
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