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Typischer Aufbau einer Glasfabrik und
Fertigungsablauf
Technik der Glasherstellung - kurzer Abriss
In der Technik der Glasherstellung hat sich
ab dieser, in der Rubrik Geschichte der Glasherstellung beschriebenen
Mechanisierung keine grundlegende Änderung vollzogen.
Natürlich sind neue Verfahren für einzelne Produktionsschritte
entwickelt worden, oder es wurden bestehende Verfahren durch
den Fortschritt der Technik weiter verbessert, der Gesamtablauf
ist aber im Grunde immer noch der selbe geblieben.
Zur Steuerung der Bewegungen der IS-Maschine
(Individual Section) wurde früher, wie vorher erwähnt,
die verwendete Druckluft mechanisch ausgelöst, heute
geschieht dies durch elektronische Steuerungen zum Beispiel
von der Firma futronic. Zusätzlich wurden natürlich
auch große Fortschritte im Bereich der On-Line Qualitätskontrolle
und bei den Materialien der Glasformen gemacht.
Um nun einen kleinen Überblick über
diesen technischen Ablauf der Glasherstellung zu gewinnen,
ist der schematische Aufbau und Ablauf in einer Glasfabrik
in der folgenden Abbildung kurz dargestellt:
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| 1 - Rohstoffbunker |
2 - Wannenofen
3 - Filteranlage |
| 4 - IS-(Individual
Section) Maschinen |
| 5 - Einschieber |
| 6 -
Kühlofen |
| 7 - Inspektionsmaschinen |
| 8 - Palletierer |
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Die Rohstoffe (Kalk, Sand und
Soda) für die Erzeugung des Glases werden, je nach Lage
und Verkehrsanbindung der Glasfabrik, per Bahn, Schiff oder
LKW angeliefert.
Von den Rohstoffbunkern (1), in
denen die angelieferten Rohstoffe zwischengelagert werden,
gelangen diese dann in den Gemengeturm, wo das Abwiegen und
Mischen vonstatten geht. Hierbei kommt es auf größtmögliche
Genauigkeit an, wobei Schwankungen in der Rohstoffqualität
durch veränderte Rohstoffanteile ausgeglichen werden
können. Dabei wird zur Produktion von Behälterglas
heute ein Gemisch folgender Zusammensetzung verwendet:
- 71 - 74 % Sand
- 8 - 12 % Kalk
- 13 - 15 % Soda oder Natronlauge
sowie einige Zusatzstoffe zur
Färbung, Entfärbung, Läuterung und Schmelzbeschleunigung.
Eigentlich nicht zu den Rohstoffen
zählen die Glasscherben, jedoch spielen diese als Ausgangsmaterial
eine immer stärkere Rolle. Scherben schmelzen leichter
als die Ausgangsstoffe und sparen somit Energie und Rohstoffe
ein. Der Anteil der zur Schmelze verwendeten Scherben hängt
von der Art der Scherben und der zu produzierenden Behälter
ab. Bei grünen Behältern kann der Anteil bis zu
80% erreichen. Die Anforderungen an die Qualität der
Scherben und somit an die Sortieranlagen ist in den letzten
Jahren, aufgrund des steigenden Einsatzes als Ausgangsmaterial,
stetig gestiegen. Verunreinigungen wie Metallteile, Teflon
und Tonscherben vermindern die Qualität des Glases und
somit seine Festigkeit oder bilden Ablagerungen in der Schmelzwanne.
Weitere Informationen über den Einsatz von Glasscherben
finden Sie unter der Rubrik Scherben
als Rohstoff.
Interessanterweise ist Glas ein
sehr harter und spröder Stoff mit sehr hoher Festigkeit
im Ausgangszustand. Seine Festigkeit beträgt 350 - 450
KP/mm2, wobei normaler Gebrauchsstahl nur eine
Festigkeit von 40 - 50 KP/mm2 hat. "Jungfräuliches"
Glas hat somit eine deutlich höhere Festigkeit als Stahl!
Diese sehr hohe Festigkeit geht allerdings im Lauf des Herstellungsprozesses
und während des Transports zu den Abfüllanlagen
verloren, da an der Oberfläche des Glases durch Aneinanderschlagen
der Glasbehälter (...) Mikrorisse entstehen und den Behälter
schwächen.
Die Rohstoffe rieseln nun stetig
in die Schmelzwanne (2), wo
das Schmelzen kontinuierlich stattfindet. Eine Schmelzwanne
kann dabei in drei Bereiche untergliedert werden, wo die einzelnen
Schmelzphasen ablaufen. In der ersten Zone kommt es bei zirka
1400 °C zur chemischen Reaktion der Ausgangsstoffe und
somit zum eigentlichen Schmelzen. Hierbei entsteht eine klebrige,
blasenreiche Masse. In der darauffolgenden Läuterzone,
wo die Blasen zur Oberfläche steigen und entweichen,
homogenisiert sich die Schmelze dann bei einer bis auf 1550
°C gesteigerten Temperatur.

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Über eine Rüttelrutsche
rieselt das Gemenge zusammen mit den Scherben (hier grau
im Bild) in den Wannenofen. Um eine zügige Einbringung
zu gewährleisten, wird mit einem Schieber (das gebogene
Rohr im Bild) nachgeholfen. Das flüssige Glas befindet
sich dann weiter rechts innerhalb der Schmelzwanne.
An dieser Stelle beträgt die Umgebungstemperatur
zirka 200°C. |
Aus der Schmelzwanne fließt
das Glas dann in die Arbeitswanne, wo es bei einer Temperatur
von zirka 1250 °C lagert und zur weiteren Verarbeitung
dann durch die Speiserkanäle
in die Speiserköpfe der IS-Maschinen fließt.
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Dies ist der Blick von der Produktionsmaschine
(IS-Maschine) den Speiserkanal entlang in Richtung
Schmelzwanne.
Der Speiser ist rechts vorne im Bild, gerade verläßt
ein Tropfen unten den Speiser in Richtung Tropfenverteiler.
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Im linken Bild ist der Tropfenfall
durch die reduzierte Helligkeit sehr gut zu beobachten.
Der Schnitt des Glasstrangs erfolgt mittels einer Schere
direkt unter dem Speiser (leider nur schwer zu erkennen),
danach werden die Tropfen über die Tropfenverteiler
in die einzelnen Stationen der IS-Maschine gelenkt. Dies
sind die gebogenen, halboffenen Röhren an denen im
rechten Bild links unten die Dampfentwicklung erfolgt
aufgrund der Wasserkühlung. |
Der Fertigungsablauf in der IS-Maschine selber
ist unter der Rubrik die IS-Maschine
im Detail zu finden.
Der Schmelzwanne nachgeschaltet
befindet sich der aus mehreren (hier drei) Stufen bestehende
Filter (3). Am
Anfang steht die Sorption für Schwefel-, Fluor- und Chlorverbindungen.
Danach kommt der Filter für Staub und schließlich
die Reinigung für Stickoxide. Dem zuvor abgekühlten
Abgasstrom wird im Sorptionsturm Kalkpulver zugesetzt, welches
die Schwefel-, Fluor- und Chlorverbindungen bindet und dann
zum Elektrofilter mitführt. Zusammen mit dem anderen
Staub durch das Schmelzen schlägt sich dann das Kalkpulver
an den Metallplatten des Elektrofilters nieder. Beim Anschlagen
der Platten fallen sie in Auffangbehälter. Als letzte
Reinigungsstufe wirkt ein Katalysator aktiv gegen Stickoxide.
In den Abgasstrom wird Ammoniak eingesprüht, der mit
den Stickoxiden reagiert und am Katalysator Wasser und Stickstoff
bildet. Der Katalysator besteht aus Waben oder Platten, die
mit Titan- oder Vanadiumoxiden belegt sind.
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Das Bild zeigt einen Filter zur Abgas-reinigung
, direkt neben dem Schornstein , bei der Firma Oberland
Glas in Bad Wurzach.
Die Größenverhältnisse sind sehr gut durch
die mehfach gestapelten Bierkästen-paletten mit 3
Paletten zu a 5 Bierkästen, also insgesamt 15 Kästen
zu erahnen. |
Die so entstandenen Behälter
werden über Transportbänder unter der Beschichtungshaube,
wo eine Beschichtung durch Zinn- oder Titan- Oxide zum Schutz
der Glasoberfläche erfolgt, bis hin zum Einschieber
(5) transportiert.
Nun werden diese mit dem nötigen
Abstand zum Nachbarbehälter, damit ein Zusammenkleben
nicht stattfinden kann, in den Kühlofen
Reihe für Reihe eingeschoben (6).
In dem um die 40 Meter langen Kühlofen erfolgt
in zirka 45 Minuten die langsame Abkühlung der Behälter
bis auf 35°C. Dieses langsame Abkühlen ist zur Vermeidung
von Spannungen in den Behältern außerordentlich
wichtig.
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Dies ist der Anfang des zirka 40 m langen
Kühlofens. Der blaue Kasten links im Bild ist der
Einschieber, der Reihe um Reihe der Glasbehälter
in den Kühlofen einschiebt. |
Nach dem Verlassen des Kühlofens
und nach einer erneuten Beschichtung, die die Behälter
besser aneinander gleiten lässt, müssen diese die
verschiedenen Inspektionsgeräte passieren. Diese Inspektion
wird durch mehrere, hintereinandergeschaltete Geräte
durchgeführt.
Geprüft werden Kriterien
wie Formhaftigkeit, Abmessungen, Wanddicke, Einschlüsse,
Risse, Außen- und Innen- Druckfestigkeit unter anderem
mit Prüfmaschinen von AGR.
Schadhafte Behälter werden aussortiert und sofort
wieder mittels Förderbändern zurück zur Schmelzwanne
transportiert und eingeschmolzen. Diese Prüfungen erfolgen
oftmals Formennummerbezogen. Jede Fertigform an der IS-Maschine
hat eine Nummer. Aufgrund der während der Prüfung
gewonnenen Informationen lassen sich Rückschlüsse
auf die Qualität der Formen ziehen. Fehler, die immer
wieder bei einer bestimmten Form auftreten erlauben dem Personal,
schadhafte Formen am heißen Ende frühzeitig zu
wechseln und somit den Ausschuss gering zu halten.
Als letzte Station im Fertigungsablauf
erreichen die Behälter den Palletierer zum Beispiel von
EMMETI.
Hier werden sie nun auf Paletten gestapelt und danach
für den weiteren Transport bis zum Kunden zum Schutz
vor Verschmutzungen und Beschädigungen durch Aneinanderschlagen
in Folien eingeschweißt.
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